Unser Bundespräsident gehört als 76-jähriger Kettenraucher zur Corona-Hauptrisiko-Gruppe. Das stört das moralische Vorbild der Nation wenig. Beim Nobelitaliener im ersten Bezirk feiert er mit Freunden eine nächtliche Corona-Party. Ist er gar ein heimlicher Corona-Leugner, der nicht an die Gefährlichkeit des Virus glaubt? Man weiß es nicht. Jedenfalls bügelt er den Skandal mit der lapidaren Erklärung ab, er habe sich eben verplaudert.
Ausgerechnet der Bundespräsident, der so gerne salbungsvolle Reden über Moral und Anstand hält und die Österreicher dazu auffordert, sich brav an die Corona-Regeln zu halten, pfeift auf ebendiese. Ein tolles Vorbild. Da kommt angesichts der Wellen, die die Sache in den sozialen Medien schlägt, auch der ORF nicht umhin, darüber zu berichten. Doch wie er das tut, ist bemerkenswert und heuchlerisch zugleich.
Im Ö1-Mittagsjournal ist die Van-der-Bellen -Geschichte gar der Aufmacher. Irgendwie. Denn eigentlich geht es in dem Beitrag nur am Rande um den Bundespräsidenten und seinen peinlichen Fehltritt.
Ö1-Moderator Christian Williwald leitet den Beitrag geschmeidig ein, indem er eine Entschuldigung und Verständnis für Van der Bellens nächtliche Corona-Party einflechtet: „Es schleicht sich ein Gefühl ein“, schwurbelt er, „dass dieses Regelwerk immer weniger Leute kümmert.“ Ja, ja, die Leute.
Im mittäglichen Nachrichtenjournal geht es also um die Gefühle des Moderators, nicht um Fakten. Egal. Williwald leitet elegant auf Van der Bellen über: „Manche Zeitung sieht einen Sperrstundenskandal.“. Ö1 spricht von einem Sperrstundenskandal, nicht einen Präsidentenskandal. Der Ö1-Hörer nickt wissend, während er mit Abscheu an die bunten Gratisblätter denkt. „Aber wem ist damit geholfen, wenn die Lokale um 23 Uhr zusperren müssen?“, gibt sich der Ö1-Mann nachdenklich.
Es handelt sich also nicht, wie die bösen Zeitungen behaupten, um einen Skandal des Staatsoberhauptes, sondern im Gegenteil, um eine begrüßenswerte und volksnahe Aktion unseres Saschas: Der Bundespräsident als Vorkämpfer für die Lockerung der Corona-Beschränkungen.
Von einem Fehlverhalten, einem Skandal, einer Verarschung all jener Bürger, die sich seit vielen Wochen brav an die Regeln halten, hört man im Mittagsjournal nichts. Für die türkisgrüne Herrschaft gelten eben andere Regeln als für ihre Untertanen-.
Dann ändert sich im Ö1-Mittagsjournl schlagartig der Tonfall. Es folgt ein wesentlich längerer Bericht über einen gewissen John Cummings. Er ist Berater von Premier Boris Johnson und hat so wie unser Van der Bellen die Corona-Regeln missachtet. Unter anderem, weil er sein Kind zu seinen Eltern gebracht hat, außerdem soll er einen Ausflug zu einem Schloss gemacht haben. Ein ganz schlimmer Finger also. Dafür fehlen Herrn Williwald und der Ö1-Dame in London jegliches Verständnis. Da ist plötzlich von fragwürdigen Aktionen die Rede.
Die Ö1-Korrespondentin berichtet, die britische Bevölkerung sei wütend, weil sie sich an die Regeln halte, Johnsons Berater aber nicht. Die Österreicher sind da offenbar ganz anders gestrickt. Wenn man Ö1 Glauben schenkt. Zumal es sich bei Cummings nur um einen einfachen Berater ohne politische Ämter, bei Van der Bellen hingegen um ein Staatsoberhaupt handelt. Solche Feinheiten interessieren Ö1 allerdings nicht. Jetzt hängt in den Amtsgebäuden und Schulen des ganzen Landes eben das Porträt eines alten Corona-Party-Löwen.
Macht nichts. Herr Williwald ist vielmehr über das Verhalten eines englischen Beraters empört: „Regeln sollen für alle andern gelten, für ihn sicher nicht“, echauffiert er sich auf Sendung. Er bezeichnet Cummings sogar als Psychopathen, während er über den heimischen Corona-Regelbrecher Van der Bellen mit einem Augenzwinkern berichtet.
Dass Ö1 so über Cummings herfällt, liegt wohl nicht nur am ORF-üblichen Konservativen-Bashing. Man möchte offensichtlich lautstark vom unentschuldbaren Fehlverhalten des grünen Bundespräsidenten ablenken.
Schließlich hat der ORF noch vor Kurzem eine Kampagne gegen einen kleinen steirischen FPÖ-Politiker gestartet, nur weil dieser eine Pizza mit Freunden essen wollte.-Allerdings nicht beim albanischen Nobelitaliener. Der FPÖ-Mann trat nach dieser Kampagne zurück. Van der Bellen kann das nicht passieren. Da müsste er schon …. Ja, was eigentlich?
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