Die heimischen Spitzenkandidaten der EU-Wahl im Duell. Jeder gegen jeden. Stundenlang. Von 20.15 Uhr bis kurz vor Mitternacht. Wer tut sich das an? Laut Teletest immerhin bis zu 140.000 Hartgesottene. Das ist nicht schlecht. Für eine solch zähe Sendung, die der gefühlt hundertste Versuch war, eine politische Diskussionsrunde irgendwie spannender, origineller, unterhaltsamer, informativer oder was auch immer zu machen. Dabei wirken all die Votings, Experten-Analysen, ungewöhnlichen Settings und sonstigen bemüht-innovativen Ideen alles andere als modern. Im Gegenteil.
Wenn der Moderator die Diskutanten bzw. Duellanten auf die Bühne bittet und das spärliche Saalpublikum wie auf Knopfdruck jedesmal brav applaudiert, fühlt man sich in die Zeit der großen TV-Shows der 1970er zurückversetzt, als Fernsehen noch ein wichtiges Medium war und jeder, der sein Gesicht in eine Kamera halten durfte, eine echte Berühmtheit und irgendwie bedeutend sein musste. Das ist lange her. Dass man Fernsehzuschauer darüber abstimmen lässt, was sie am Bildschirm gerade gesehen haben, ist auch nicht gerade neu und aufregend. Wird aber so verkauft. Schon 1979 gab es bei „Wetten, dass.. ?“ das sogenannte TED-Televoting.
Manchmal ist weniger einfach mehr. Anderseits sind solche Überinszenierungen nötig, weil von den sechs politischen Hauptdarstellern fünf mehr oder weniger dieselben Ziele verfolgen und Meinungen vertreten. Irgendwie muss man solche Schein-Debatten als echte Diskussionen verkaufen, zumal die Glaubenssätze der politisch korrekten Ideologie im Mainstreamfernsehen ohnehin nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen und immer mehr politische Grundsatzentscheidungen in Europa seit Angela Merkels Sündenfall im Jahr 2015 bekanntlich alternativlos sind.
Dem Zuseher soll das Gefühl vermittelt werden, dass es tatsächlich einen entscheidenden Unterschied macht, ob er Voggenhuber, Schieder oder Karas wählt. Von Kogler über Karas bis Gamon sind sich alle einig, dass Kilmaschutz, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung, ein stärkeres Europa, Vielfalt, Genderismus und Multikulti wichtig; Diesel, CO2, Nationalismus, Gentechnik, Trump und Konzerne hingegen böse sind.
Weil ohnehin alle dasselbe wollen, primär ein warmes Plätzchen in Brüssel, wird nicht nur die Show mit irgendwelchen originellen Regie-Ideen und Auftritten der üblichen TV-Auguren aufgepeppt, auch die Kandidaten müssen sich mangels USP, Profil, Ideen und Inhalten irgendwie anders in Szene setzen. Und sei es modisch.
Übers Ziel hinausgeschossen ist dabei Grünen-Kandidat Werner Kogler. Er präsentierte ohne Sakko und mit aufgekrempelten Hemdsärmeln seinen ökologischen Wohlstandsbauch und versuchte, den volksnahen, bodenständigen Macher zu spielen. Dazu verfällt Kogler immer wieder in eine Art Pseudo-Dialekt, gibt den Angriffigen. Seine etwas übermotivierten bis skurrilen Duell-Auftritte sollten wohl jugendlich-motiviert-volksnah rüberkommen.
Das ist ihm nicht ganz gelungen. Alles was Kogler sagte, hatte einen sehr langen Bart, der Zuseher konnte jedes seiner Argumente, jeden Vorschlag und jede Idee quasi mitsprechen. Ein linker Altpolitiker versucht sich und seine Ideen aus der sozialistischen Mottenkiste als fortschrittlich und progressiv zu verkaufen. Da ist der Peinlichkeitsfaktor nicht zu unterschätzen.
Johannes Voggenhuber denkt und will das Gleiche wie sein langjähriger Weggefährte, nur ist er etwas weniger peinlich. Er hat in der Maske allerdings ein bisserl sehr viel Schminke abbekommen. Interessanteres gibt es über diesen politisch Untoten und seinen Auftritt bei Puls4 nicht zu sagen.
Andreas Schieder, wie alle Linken in dieser Sendung ohne Krawatte, aber zumindest mit Sakko, zieht über die bösen Konzerne her. Sein ganz persönlicher Wahlkampfhit. Dass seine Lebensgefährtin nach ihren Glanzleistungen als Wiener Gesundheitsstadträtin jetzt bei Siemens Geld scheffelt, gibt dem Ganzen eine humoristische Note. Wäre Schieder auch noch bei Siemens untergekommen, müsste er jetzt nicht in der TV-Arena bei mittelprächtigen Quoten als antikapitalistischer Konzernkritiker herumkaspern. Dumm gelaufen.
Eine politische Stimmungskanone war Othmar Karas nie. Er ist der Inbegriff des EU-Apparatschiks. Was er will, fordert und vertritt, ist hinlänglich bekannt. Das Puls4-Schnarchformat ist Karas auf den Leib geschneidert. Der einzige Hecht im politisch korrekten Karpfenteich, Harald Vilimsky, gibt an diesem Abend den blauen Faserschmeichler. Auch ziemlich langweilig. Vilimsky und Kogler sind sich sogar bei der europäischen Asyl- und Zuwanderungspolitik in einigen Punkten einig. Frau Gamon von den Neos liegt ebenfalls mit den beiden grünen Altlinken auf einer Linie. In Österreich geht sie trotzdem als Liberale durch.
Zwischen den einschläfernden Pseudoduellen dürfen die üblichen Experten ihre vorgestanzten Einschätzungen und Analysen abgeben. Bei so viel Eintönigkeit und Vorhersehbarkeit macht nicht einmal Bullshit-Bingo Spaß.
Zugegeben, ich habe nicht die gesamte Sendung durchgestanden, bin immer wieder fremd gegangen. Weil auf den anderen Kanälen auch nichts Besseres gelaufen ist, aber immer wieder zu Puls4 zurückgekehrt. Etwa als Joy Pamela Rendi-Wagner auf ORF2 eine lange, völlig inhalts- und faktenfreie Moralpredigt halten durfte und dabei die Frau Sozialministerin samt ihrer neuen Sozialhilfe geißelte, nicht ohne auf ihre entbehrungsreiche Kindheit im Gemeindebau hinzuweisen. Dann lieber doch der hemdsärmelige Kogler. Das Ergebnis des Abends, welcher Kandidat die Zuschauer am besten überzeugen konnte, habe ich trotzdem nicht mehr mitbekommen, da hatte mich der Schlaf bereits erlöst.
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