Fast konnte er einem leid tun: Da lud sich Kern-Intimus Tarek Leitner mit Ulrich Körtner jenen evangelischen Theologen ein, der selbst seinen katholischen Kollegen Zulehner noch regelmäßig links überholt. Körtners Aufgabe: Bestätigen, wie moralisch verkommen die italienische Rechtsregierung ist, weil sie Migranten nicht von Bord eines Rettungsschiffes lässt.
Und dann sitzt dieser Körtner einfach da und liefert einfach nicht! Eins ums andere Mal stellt Leitner dieselbe Frage noch einmal - mit steigendem Verzweiflungsgrad -, doch Körtner schaut den angeblichen Journalisten nur ernst durch seine rote Nickelbrille an und wird immer deutlicher in seiner moralischen Kritik an den selbsternannten Seenotrettern.
Zur eindrucksvollen Dokumentation der journalistischen Qualität des Staatssenders hier im Wortlaut die Fragen von Tarek Leitner:
1.) "Wie ist mit den schiffbrüchigen Flüchtlingen umzugehen? Verkürzt zusammengefasst klingt das ja oft sehr zynisch, da heißt es: Je mehr Rettungsschiffe für in Not Geratene bereit stehen, desto mehr Menschen brechen auf und desto mehr können auch ertrinken. Kann man von diesem Gedanken ausgehen, dass Rettungsschiffe ein Pull-Faktor sind, also Flüchtlinge anziehen? Kann man davon ausgehend wirklich für und wider privater Seenot-Rettung diskutieren?"
2.) "Kann man wirklich so lange warten, bis die großen politischen Entscheidungen getroffen worden sind - Stichwort Marshall-Plan für Afrika -, um diese Wanderungsbewegungen zu reduzieren, oder muss man nicht als Privater eben jetzt doch sagen - unabhängig davon, wann das jetzt eben ist -, müssen wir jetzt den Ertrinkenden helfen?"
3.) "Jetzt ist es ja unbestritten, dass es immer alternative Möglichkeiten zur Hilfe gibt, insbesondere eine solche Hilfe, die dann viel nachhaltiger ist. Aber davor stellt sich die Frage, die viele Menschen in ein Dilemma stürzt, die zugespitzt vielleicht so klingt: Kann ich wirklich moralisch einem sicher Ertrinkenden nicht helfen, um möglicherweise viele andere vor dem Ertrinken zu helfen?"
4.) "Weil Sie die Motive zwar verstehen, aber in Zweifel ziehen, und evangelischer Theologe sind, frage ich Sie, ob das nicht gerade eine zutiefst christliche Position ist - auch eine radikale natürlich - zu sagen: Die Not kennt kein Gebot. Und abhängig davon, was ich möglicherweise dann in der Folge bewirke an größeren zusammenhängenden Folgen: Muss ich das als Christ in dem Fall jetzt tun?
Sechs Tage lang kann der volle Beitrag noch in der TVThek nachgesehen werden. Körtners Antworten sind nämlich deutlich hörenswerter als Leitners Fragen.
PS: Ich finde es ja wirklich interessant, dass der ORF seit einiger Zeit (der genaue Zeitpunkt ist mir leider entgangen) sehr konsequent über alle Kanäle hinweg von "Migranten" statt von "Flüchtlingen" spricht. Das Leitner-Interview zeigt aber eindrucksvoll, dass Sprachvorgaben noch keinen Perspektivenwechsel bedeuten.
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